geb. 30.01.1884 in Mannheim, gest. 02.04.1942 in Mannheim

Eltern:

Hitze, Franziska, geb. DeWaal
Hitze, Franz

Beruf:

Lehrerin, Vorsitzende des Bundes für Mutterschutz in Mannheim

Adressen:

Lichtentaler Allee 16a (von Mannheim kommend, 1934-1936)
Fremersbergstraße 6 (1936-1942)

Weiteres Schicksal:

Rückzug und Vereinsamung in Baden-Baden, Erkrankung an Tuberkulose

Bild(er):

Elisabeth Blaustein, geb. Hitze de Waal stammte aus einer angesehenen katholischen Mannheimer Kaufmannsfamilie. Sie erhielt ihre Ausbildung im katholischen Institut in Baden-Baden und anschließend im Lehrerinnenseminar in Heidelberg. Nach abgeschlossener Ausbildung folgten mehrere Anstellungen an Mannheimer Schulen. Nach der Eheschließung mit Arthur Blaustein, der aus einer jüdischen Familie stammte, musste sie aufgrund des Lehrerinnenzölibats ihren Beruf aufgeben.
Elisabeth Blaustein engagierte sich im besonderen Maße für ledige Mütter und ihre Kinder, die aus sozial schwierigen Verhältnissen stammten. Sie initiierte im Ersten Weltkrieg die Kriegsfürsorgezentrale und leitete die Kriegswöchnerinnen-Abteilung. Im Jahr 1914 wurde sie Vorsitzende des Bundes für Mütterschutz und leitete die Ehe- und Sexualberatungsstelle. Elisabeth Blaustein arbeitete in mehreren städtischen Kommissionen und bei großen internationalen Frauenkongressen mit.
Immer wieder stieß sie bei ihrer Arbeit aber auch auf große Ablehnung. Dem Bund für Mutterschutz wurde vorgeworfen, den unsittlichen Lebenswandel und den Leichtsinn von Mädchen zu fördern.
Dank der Unterstützung ihres Ehemannes, der Syndikus der Mannheimer Handelskammer und nebenamtlicher Dozent der Handelshochschule war, bekam sie Kontakt zu wohlhabenden und politisch interessierten Bürgern, die ihre Arbeit förderten. Wichtig wurde für Elisabeth Blaustein auch die Unterstützung durch wohlhabende, sehr bekannte und einflussreiche Frauen Mannheims.
Progressiv und ganz im Sinne des Bundes für Mütterschutz forderte Elisabeth Blaustein 1929 öffentlich die Abschaffung des § 218.?? Im Jahr 1933 mussten auf Veranlassung der NSDAP alle Beratungsstellen des Bundes für Mütterschutz geschlossen werden.

Elisabeth Blaustein zog 1934 mit ihrem Mann, der aufgrund seiner "jüdischen Rasse" seine Stellung bei der Mannheimer Handelskammer verloren hatte, nach Baden-Baden. Dort lebt sie mit ihrem Mann völlig zurückgezogen, ohne die Aufgabe, für die sie so viele Jahre gekämpft hatte und in Sorge um ihre Kinder.

Sie erkrankte schwer an Tuberkulose und starb 1942 im Luisenheim, dem Wöchnerinnenasyl der Badischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz, in Mannheim. Nach ihrem Tod beging ihr Mann Arthur Blaustein, der bis dahin durch seine katholische Ehefrau vor der Deportation geschützt war, Selbstmord. Auch der Sohn Werner und die Tochter Marianne hatten ein schweres Schicksal.

Heidi Buch

Quellen/Literatur:

StABAD A23/13; StABAD A5/Meldekarte; https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Blaustein (Zugriff 09.06.22); Marchivum S1/ 2782; Neue Mannheimer Zeitung Nr. 460 vom 04.10.1930, Mannheimer Köpfe, Frau Elisabeth Blaustein (Marchivum); Mannheimer Morgen Nr. 120 vom 28./29.05.1997, Ein Herz für alleinstehende Mütter; Käfertal: Eine Straße im Rott für Elisabeth Blaustein (1884-1942) (Marchivum); Nieß, Ulrich (Hg.), Jede Frau hat eine Geschichte, 25 Biographien Mannheimer Pionierinnen, Elisabeth Blaustein, geb. Hitze de Waal, Engagement zum Schutze der ledigen Mütter, Mannheim 2020, S.14.

Hier wohnte
ELISABETH BLAUSTEIN
GEB. HITZE DE WAEL
JG. 1884
TOT 2. APRIL 1942

Stolperstein Fremersbergstraße 6, verlegt am 17. März 2023