geb. 26.08.1880 in Offenburg, gest. 30.05.1944 in Auschwitz

Kinder:

Hauser, Hans

Beruf:

Jurist

Adressen:

Lange Straße 105 (von Offenburg kommend, 1912-1927)
Vincentistraße 26 (1927-1940)

Weiteres Schicksal:

22. Oktober 1940 Deportation nach Gurs, 1944 in Auschwitz ermordet

Bild(er):

Rechtsanwalt Dr. Hauser kam 1908 als Sozius der Kanzlei Dr. Ernst Herrmann, Lange Straße 60, nach Baden-Baden. Die Rechtsanwaltskanzlei, die er ab Mitte der 1920er Jahre in alleiniger Verantwortung führte, entwickelte sich zu einer der bedeutendsten in der Kurstadt mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 40.000 RM (= ca. 400.00 €). In der kurstädtischen Gesellschaft spielte der Deutsche "jüdischen Glaubens" eine wichtige Rolle. Seine politische Heimat fand er in der Deutschen Volkspartei (DVP), der liberalen Gruppierung im Parteienspektrum der Weimarer Republik. An der Jahreswende 1929/30 gehörte er zu den Gründern des Rotary-Clubs in Baden-Baden; 1932 wirkte er als Synagogenrat bei der Verwaltung der inneren Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde Baden-Badens mit.

Die Machtübernahme durch die NSDAP sollte die ökonomische, politische und gesellschaftliche Basis der Familie Hauser sukzessive und grundlegend zerstören. Die Kunden der Kanzlei blieben aus, der Umsatz erreichte kaum 50% des alten Niveaus. 1938 wurde ihm die Ausübung der Anwaltschaft entzogen. Er fand als "Rechtskonsulent" (juristischer Berater für jüdische Mitbürger*innen in Sachen Beantragung von Auswanderungspapieren, Entrichtung judenspezifischer Abgaben und Sondersteuern) beim Oberlandesgericht Karlsruhe Verwendung. Schon vorher war ihm der Austritt aus dem Rotary-Club nahegelegt und seinem Sohn Hans Gustav wegen seiner "Rasse" die Teilnahme am juristischen Abschlussexamen verwehrt worden.

Nach der Reichspogromnacht wurde Hauser für zwei Wochen in das KZ Dachau verbracht. Bemühungen um den Erhalt einer Auswanderungserlaubnis über seinen Sohn Hans, der im April 1939 in die USA emigriert war, verzögerten sich. Am 22. Oktober 1940 wurden Dr. Hugo Hauser und seine Ehefrau Johanna nach Gurs deportiert und nach weiteren Lageraufenthalten am 20. Mai 1944 über das Sammellager Drancy nach Auschwitz transportiert und dort ermordet. Festgesetzes Todesdatum: 30. Mai 1944.

Der folgende Originalbrief Hausers aus Gurs an seine langjährige Mitarbeiterin Fräulein Paula ist in mehrfacher Hinsicht eine erschütternde Quelle. Zum einen gehört er zu den wenigen "Ego-Dokumenten" aus dem Internierungslager im Südwesten Frankreichs, zum andern vermittelt er, wie sehr der in einem Rechtsstaat sozialisierte Hugo Hauser selbst unter rechtlosen Bedingungen und Lebensumständen (vergebens) Hoffnungen in ein - wenn auch rudimentär - immer noch vorhandenes humanes Funktionieren seines (geliebten) Deutschlands setzte.

"Camp de Gurs, Basses-Pyrénées, Ilot G, baraque 14, le 15 novembre 1940

Liebe Fräulein Paula, wir sind jetzt schon über drei Wochen im Lager. Man gewöhnt sich an alles. Leider sind Mann und Frau getrennt voneinander untergebracht; Besuch nur alle drei Wochen eine halbe Stunde. Bitte teilen Sie mir doch mit, wie es mit Haus, Einrichtung, Lampe usw. steht. Sind die Akten und das Häuserbuch auf die Deutsche Bank gekommen? Bitte berichten Sie doch ausführlich; veranlassen Sie auch Herrn Sigmund Alexander, Hahnhofstraße, mir wegen des Büros zu schreiben. Was haben Sie selbst vor? Hat Ihnen die Bank das Geld ausbezahlt oder soll ich noch einmal schreiben? Grüßen Sie auch Frau Lipsky, Odenheimer, Peters, Fräulein Br. usw. Wenn Sie nicht hierher schreiben können, so schreiben Sie bitte alles an meinen Onkel J. Frank, Kreuzlingen (Schweiz), Finkenstraße 19. Vielleicht fragen Sie bei der Polizeidirektion, ob ich für meine Frau und mich die Pässe und Führungszeugnisse hierher (eingeschrieben) erhalten kann. Gebühren zahlt Deutsche Bank.
Mit besten Grüßen, gez. Hauser
Vielleicht können Sie uns etwas zu essen schicken. Es kommen schon Pakete an." Der in Reaktion auf dieses Schreiben erfolgten Aufforderung des Schweizer Bürgers Frank an den Baden-Badener Polizeidirektor um Übersendung von Dokumenten aus Hausers Wohnung Vincentistraße 26 wurde mit einer glatten Lüge begegnet. "Ich habe die Wohnung des Dr. Hauser bis jetzt noch nicht geräumt. Sobald die Räumung vorgenommen wird, werde ich ihnen die gewünschten Papiere zusenden", so lautete die lapidare Antwort des Polizeidirektors am 16. Dezember 1940, wohl wissend, dass das Haus schon seit dem 22. Oktober 1940 vom Chef der Deutschen Polizei zur Unterbringung von Dienststellen beschlagnahmt worden. Es wurde am 25. September 1941 vom Generalbevollmächtigten für das jüdische Vermögen in Baden zu einem Preis von 42.192 RM (Einheitswert 31.200) an das Deutsche Reich verkauft.

Quellen/Literatur:

StABAD A23/38; StABAD A23/45; StABAD A5/Meldekarte; StABAD A23/38; StAF F 196/1 Nr. 5881; StAF P 303/4 Nr. 521; HStAS 99/001; Gedenkbuch Bundesarchiv
Schindler, Angelika: Der verbrannte Traum. Jüdische Bürger und Gäste in Baden-Baden, Baden-Baden ²2013, S. 52 ff., 127 ff., 161, 211
Hans Werner von Wedemeyer: Das rote Buch. Rotarier jüdischer Abstammung in Baden-Baden 1930 bis 1950, 2013 [https://memorial-rotary.de/dokumente/39/download]; https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de835073;
http://www.bad-bad.de/gesch/hans_hauser.htm (Zugriff 05.05.2020)

Hier wohnte
DR. HUGO HAUSER
JG. 1880
DEPORTIERT 1940 GURS
ERMORDET 1944 IN AUSCHWITZ


Stolperstein Vincentistraße 26, verlegt am 27.01.2009