geb. 25.12.1879 in Mannheim, gest. 18.01.1956 in Chicago

Ehepartner:

Herrmann, Carl Theodor (geb. 1863 in Venningen, gest. 1925)

Kinder:

Herrmann, Bruno Willy
Herrmann, Edith

Adressen:

Schillerstraße 19 (bis 14.6.1933 und 3.9.1934 - 23.3.1937 /1938)

Weiteres Schicksal:

Am 22. Oktober 1940 Deportation von Karlsruhe nach Gurs, von dort über Casablanca nach New York

Bild(er):

Klara war die Ehefrau des Bankiers Carl Theodor Herrmann, der um 1885 von Mannheim nach Baden-Baden zog, hier 1891 das Bankgeschäfts C.T. Herrmann & Comp. gründete und bei seinem Tod 1925 ein großes Vermögen hinterließ.
Klara und Carl Theodor hatten sich 1898 verlobt und ein Jahr später geheiratet. Das Ehepaar genoss großes Ansehen in der Stadt; nicht zuletzt weil Carl Theodor und sein Bruder Ernst maßgeblich am Bau der Synagoge beteiligt gewesen waren (1899), sei es durch die Beschaffung von Mitteln, sei es durch den Kontakt zu Architekt Ludwig Levy. Der Maler Ismael Gentz hielt 1898 das promenierende Ehepaar auf einem eigenen Gemälde fest (Abbildung, vgl. Sommer, S. 26).
Im Februar 1901 kommt Bruno Willy, das erste Kind des Ehepaars, zur Welt, und vermutlich in diesem Zusammenhang wird das Haus Schillerstaße 19 erworben. Die mit dem Bezug des Hauses eingestellte Haushaltshilfe Marie begleitet von da an für viele Jahre die Familie. 1905 wird Edith geboren, nach der das Haus in "Villa Edith" umbenannt wird. Das Gästebuch der Villa verzeichnet zahlreiche (amerikanische) Besucher. Während des Ersten Weltkriegs spendet das Bankhaus Carl T. Herrmann, wie Klaras Enkel später berichtet, einen Krankentransportwagen an das DRK.
Infolge der anhaltenden Inflation nach dem Krieg werden große Teile des Gartens veräußert, und die Herrmanns errichten auf dem verbliebenen Grundstück eine kleine Pension.
Nachdem Sohn Bruno Willy 1933 in die USA emigriert ist, reift bei Klara und ihrer Tochter Edith der Entschluss, Deutschland ebenfalls zu verlassen. Als Klara 1933/34 für einige Monate nach Paris und - krankheitsbedingt - nach Mallorca reist, wird ein Verfahren auf Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit eingeleitet.
Ein erster Ausreiseversuch scheitert 1936, weil Tochter Edith denunziert und für sieben Monate in Gotteszell inhaftiert wird. Als Mutter und Tochter 1937 dann die für die Ausreise nötigen Pässe in Karlsruhe abholen wollen, wird Klara verhört und in Schutzhaft genommen: Am 2. April entlassen, gerät sie wenige Tage später erneut ins Visier der Strafverfolgungsbehörden: Sie wird verdächtigt, ihr Vermögen ins Ausland verbracht zu haben und sich wegen Steuervergehens durch Nichtanmeldung ausländischen Vermögens strafbar gemacht zu haben. Ab dem 7. April 1937 folgt eine Untersuchungshaft in Mannheim, aus der sie am 8. Januar 1938 wegen Haftunfähigkeit entlassen wird. Obwohl der Baden-Badener Amtsarzt ihre Verhandlungsunfähigkeit attestiert, wird das Verfahren vor dem Sondergericht Mannheim fortgesetzt; Klara wird am 27. Juni 1938 wegen Verstoßes gegen das Gesetz gegen Verrat der Deutschen Volkswirtschaft und wegen Devisenvergehens zu zwei Jahren und zehn Monaten Zuchthaus sowie 45.000 RM Strafe verurteilt. Die Strafe verbüßt Klara bis zum 30. September 1940 im Zuchthaus Aichach (Bayern) - sie erhält am 21. September ihren Reisepass zurück - und wartet danach im "Nassauer Hof" in Karlsruhe auf ihre Auswanderungspapiere. Bei ihrer Ankunft in Karlsruhe am 1. Oktober kann ihr die Schwester, informiert von der "Jewish aid society", noch ein wenig Taschengeld am Bahnsteig zustecken. Klaras Vermögen und Besitz in Baden-Baden war zwischenzeitlich aufgelöst und versteigert worden.
Am 22. Oktober 1940 wird Klara von Karlsruhe aus nach Gurs deportiert, wo sie Schwester und Schwager wiederfindet. Drei Monate später, am 20. Januar 1941, verlegt man sie ins Krankenlager/Interniertenlager Noë im Departement Haute-Garonne. Unterdessen spricht ihr Neffe Erich, dem die Flucht nach Südfrankreich gelungen ist, immer wieder beim amerikanischen Konsulat in Marseille vor, um die Visumsausstellung für Klara zu beschleunigen. Am 2. Oktober 1941 erhält Klara von der jüdischen Auswandererbehörde HICEM schließlich die Nachricht, dass für sie ein Platz auf einem Schiff reserviert sei, bis sie das Visum erhält. Daraufhin wird Klara ins Hotel Terminus nach Marseille verlegt, zwar bewacht, aber doch frei, um sich tagsüber in der Stadt bewegen zu können. Am 14. April 1942 ergeht schließlich Bescheid ans amerikanische Konsulat "in der Sache Herrmann", so dass Klara vier Tage später im Büro von HICEM ihr Schiffsticket erhält. Das Schiff verlässt Marseille am 10. Mai in Richtung Casablanca, wo Klara am 21. Mai ankommt und nach 18 Tagen Wartezeit dann mit der "Serpa Pinto" aus dem neutralen Portugal nach New York übersetzen kann. Sie erreicht die USA am 25. Juni 1942. Ihre Tochter Edith - so der Bericht des Enkels - erkennt nicht die Mutter, sondern das Kleid, das sie nach Marseille geschickt hat. Klara hält sich mit Stickerein über Wasser. Sie stirbt 1956, die letzten Jahre partiell dement und desorientiert.
Klaras Schwester, die keine Verwandten in den USA als Zieladresse angeben konnte, wird Anfang August 1942 in Auschwitz getötet. Lebenslauf für die Beantragung eines Reisepasses:

"Aichach, den 26. August 1940.

Mein Lebenslauf

Ich bin am 25. Dezember 1879 in Mannheim als Tochter des Dampfziegeleibesitzers Jakob Marx geboren. Ich besuchte die höhere Mädchenschule und nach Verlauf lernte ich Weißnäherin und Stickerei. Von meiner Mutter wurde ich gelehrt, wie ein Haushalt zu führen ist und ebenso in der Kocherei unterwiesen. Mit 19 Jahren, am 1. November 1899, verheiratete ich mich mit dem Bankier Carl Theodor Herrmann in Baden-Baden. Ich lebte in glücklichster Ehe und bin seit 25. September 1925 Witwe. Der Ehe sind zwei Kinder entsprossen. Ich verlebte eine sorglose Jugend, bin sehr einfach und bescheiden erzogen worden. Meine Eltern waren stets darauf bedacht, dass ich vieles lerne, sowohl häuslich als auch künstlerisch und literarisch. Bälle oder sonstige Tänzereien habe ich nie mitgemacht. Auch meine Kinder habe ich in diesem Sinne erzogen. Solange mein Mann lebte, habe ich mich nie um geschäftliche oder geldliche Sachen kümmern müssen. Später hat mein Sohn alles für mich erledigt. Ich selbst fühlte mich als Hausfrau und Mutter wohl, und war nie eine Frau, die dem Vergnügen nachging. Trotz meiner guten materiellen Verhältnisse blieb ich stets einfach und bescheiden und habe, wo ich konnte, die Armen unterstützt. Wenn ich mir etwas zuschulden kommen ließ, geschah es in völliger Unwissenheit und bedaure es aus tiefstem Herzen.

Frau Klara Sara Herrmann Wwe."

Quellen/Literatur:

StABAD A23/38; StABAD A5/Meldekarte; StAF F 196/1 Nr. 3262; StAF F 196/1 Nr. 4837; StAF P 303/4 Nr. 499; GLAKA 480 Nr. 1222; Nicholas H. Sommer (Sohn Edith Herrmanns): A Farewell Waltz. Two Women an Their Ardous Exodus from Nazi Germany, USA Selbstverlag 2022;