geb. 28. Juni 1921 in Baden-Baden

Adressen:

Fürstenbergallee 6 (1921-1937)

Weiteres Schicksal:

Am 8. Januar 1938 mit Kindertransport nach England

Karl Kahn, einziger Sohn des jüdischen Anwalts Paul Kahn aus Baden-Baden, verbrachte eine behütete Kindheit und besuchte das Gymnasium Hohenbaden bis 1936. Doch nach 1933 zogen sich immer mehr einstige Freunde und Klassenkameraden zurück.
Der liberal gesinnte und unerschrockene Direktor Leo Wohleb (späterer Staatspräsident Badens) ließ sich jedoch nicht abhalten, Karl Kahn und einem zweiten jüdischen Schüler, Robert Sack, zum Schuljahresende 1934/35 einen Preis für sehr gute schulische Leistungen zu übergeben. Das hatte Konsequenzen. Die nationalsozialistische Presse hetzte dagegen in der Merkur-Rundschau, einer Beilage des "Führers". Die Mitschüler bewarfen die Preisträger auf dem Nachhauseweg mit Steinen. Für Karl war klar: hier wollte er nicht bleiben.

Es gelang den Eltern eine Schule in Brighton zu finden, die den 15-jährigen im Dezember 1937 aufnahm. Bald sollte sich allerdings herausstellen, dass sie wegen ihrer naturwissenschaftlichen Ausrichtung nicht die richtige für Karl war, der mit Griechisch und Latein an einem humanistischen Gymnasium groß geworden war. Dank englischer Freunde fand Karl Kahn nach fünf Monaten einen Platz an einer Schule in Dover. Ein Studium konnten die Eltern nicht mehr finanzieren, auch wenn sie ihren Sohn gern als Juristen in den Fußstapfen des Vaters gesehen hätten.

Die Kahns hatten Glück im Unglück. 1939 konnten sie in die USA einwandern und fanden eine neue Heimat in Dallas. Die dortige jüdische Gemeinde half bei der Suche nach Job und Unterkunft. Paul Kahn, der angesehene Anwalt aus Baden-Baden, startete sein neues Leben als Liftjunge, später wurde er wie sein Sohn Handelsvertreter für Schmuck. Erst nach Jahren konnte er wieder an seinen alten Beruf anknüpfen: Er beriet Überlebende des Holocaust bei Wiedergutmachungsverfahren. Sohn Karl hingegen reiste weiter mit seinen Musterkoffern durch Texas.

Quellen/Literatur:

StABAD A23/37; StABAD A5/Meldekarte; StAF F 196/1 Nr. 5851; StAF P 303/4 Nr. 444; StAF P 303/4 Nr. 334
Schindler, Angelika: Der verbrannte Traum. Jüdische Bürger und Gäste in Baden-Baden, Baden-Baden ²2013, S. 149 ff., bes. 151 f.

Hier wohnte
KARL-HEINZ KAHN
JG. 1921
FLUCHT 1937 ENGLAND USA



Stolperstein Fürstenbergallee 6, verlegt am 26.11.2014