geb. 09.07.1907 in Baden-Baden, gest. 28.06.1940 in Grafeneck (offiziell: Hartheim)
Karras, Ottilia, geb. Quaeck
Karras, Franz
Taglöhner
Geroldsauer Straße 15 (1907-1930, nach Innsweiler bei Metz)
Geroldsauer Straße 29 (von Innsweiler bei Metz kommend, 1932-1936, nach Achern (Illenau))
Geroldsauer Straße 29 (von Achern (Illenau) kommend, 1937, nach Achern (Illenau))
Am 28. Juni 1940 in Grafeneck ermordet
Richard Karras gehört zu den wenigen Opfern der Krankenmorde, mit deren Biographie sich ein Gesicht verbindet. Ein Foto von 1939 zeigt einen körperlich robusten Mann - doch der Blick ist ängstlich und verstört. Karras war zu diesem Zeitpunkt bereits drei Jahre in stationärer psychiatrischer Behandlung.
Karras wurde am 9. Juli 1907 als fünftes von acht Geschwistern in Baden-Baden geboren. Er stammte aus einfachen Verhältnissen. Das Familienleben war überschattet durch häufige Auseinandersetzungen der Eltern. Seit seinem siebten Lebensjahr lebte Karras in einer Pflegefamilie. Die Schule verließ er nach dem sechsten Schuljahr ohne Abschluss. Ohne erlernten Beruf arbeitete er hier und dort als Taglöhner.
Am 17. Juli 1936 wurde Karras in die Heil- und Pflegeanstalt Illenau eingewiesen, "da er für sich und andere gefährlich" geworden war. Ein Arztbrief an die Mutter beschreibt seinen Zustand: "Ihr Sohn ist fast völlig unzugänglich, gibt auf Fragen kaum Antwort, ist häufig erregt und zuweilen auch gewalttätig. Allem Anschein nach steht er unter dem Einfluss von Sinnestäuschungen und Verfolgungsideen."
Alle Therapien blieben erfolglos. Dennoch wurde Karras im Frühjahr 1937 entlassen. Vorher hatte man ihn zwangsweise sterilisiert, um zu verhindern, dass er als "Erbkranker" Nachwuchs zeugte. Schon einen Monat später musste er erneut stationär aufgenommen werden.
Am 28. Juni 1940 wurde Karras aus der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch nach Grafeneck gebracht. In amtlichen Dokumenten ist als Todesdatum der 23. Juli 1940, als Todesort Hartheim/Oberdonau angegeben. Tatsächlich wurde Karras noch am Tag seiner Deportation in Grafeneck ermordet. Die falschen Angaben sollten das Verbrechen verschleiern und es den Angehörigen erschweren, Nachforschungen anzustellen.
GLAK 463 Zug. 1983-20 Nr. 12491a; BArch R179/25429; StAF B 875/1 Nr. 327
Hier wohnte
RICHARD KARRAS
JG. 1907
SEIT 1936 IN MEHEREN HEIL- UND PFLEGEANSTALTEN
"VERLEGT" 28.6.1940
ERMORDET 28.6.1940 GRAFENECK
AKTION T4
Stolperstein Geroldsauer Straße 29, verlegt am 28.11.2011