geb. 2. Juli 1877 in Schaffa/Tschechien

Kinder:

Kollmann, Klaus
Kollmann, Hanns Hermann

Beruf:

Schauspieler und Regisseur

Adressen:

Maximilianstraße 11 (von Mannheim kommend, 1934-1937)
Kapuzinerstraße 20 (1937-1938)
Stadelhoferstraße 14 (1938-1939)

Weiteres Schicksal:

Am 19. August 1939 Emigration nach London

Künstlername Wilhelm Kolmar, Schauspieler und Regisseur. Von 1909-1933 am Nationaltheater Mannheim, inszenierte u. a. Lessings "Nathan der Weise". 1933 in den Ruhestand versetzt, seit 1934 in Baden-Baden. Stellte im März 1939 einen Antrag auf Auswanderung nach St. Louis, USA, mit Verbringen der Wartezeit in England. Am 14. August 1939 mit Ehefrau und Sohn Klaus nach England ausgewandert. Wohnhaft in Oxford. Verheiratet mit Grete Kolmar (Margarete Kollmann). Sohn Hanns Hermann emigrierte 1933 in die USA, war u. a. Sprecher der "Aufbau"-Rundfunkserie "We fight back". Wilhelm war als Mitglied einer unter der Leitung von Hans Habe stehenden Propagandaeinheit Regisseur bei "Radio Luxemburg". Nach dem Krieg Leiter einer Agentur für Schauspieler und Sänger.

Lebenslauf für die Beantragung eines Reisepasses, März 1939:

"Ich wurde am 2. Juli 1877 in Schaffa, Bezirk Znain (damals österreichisches Kronland Mähren, heute Gau Niederdonau) geboren. Im November 1886 übersiedelte ich mit meinen Eltern nach Wien, besuchte dort die Volksschule, dann die Oberrealschule im 2. Wiener Gemeindebezirk, unterzog mich im Juli 1895 der Maturitätsprüfung, die ich mit dem Prädikat "reif zum Besuch einer technischen Hochschule" bestand. Nach zweijähriger Vorbereitung für den Beruf als Schauspieler, betrat ich im Oktober 1877 am Stadttheater in Leitmeritz (Vorsaison Tetschen) zum ersten Mal die Bühne. Vom 1. Oktober 1898 bis zum 30. September 1899 stand ich als Einjährig-Freiwilliger beim K.K. Infanterieregiment Nr. 25 in Wien. Nach bestandener Offiziersprüfung und nach drei Übungen im Heer und einer Übung beim K.K. Landwehrinfanterieregiment Wien Nr. 24 wurde ich am 25. Dezember 1909 zum Leutnant ernannt.
Meine schauspielerische Tätigkeit führte mich über kleinere und mittlere österreichische Bühnen im August 1903 an das Stadttheater zu Bremen, an dem ich bis Mai 1908 verblieb. Es folgte ein Engagement an das Stadttheater in Graz, und vom 1. September 1909 bis 31. August 1933 war ich als Schauspieler und Regisseur am Nationaltheater in Mannheim tätig. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich pensioniert. Im Juli 1911 verheiratete ich mich mit Margarete Johanna Stern in Mannheim. Der Ehe entstammten zwei Söhne, Hanns Hermann und Klaus Israel. Letzterer wanderte mit mir und seiner Mutter zu seinem älteren Bruder nach St. Louis (Missouri), USA aus.
Den Weltkrieg habe ich vom 1. August 1914 bis zu seinem Abschluss mitgemacht. Ich war an der Front, wurde zum Oberleutnant befördert und ausgezeichnet. Da meine Heimatsgemeinde durch den Friedensvertrag von St. Germain tschechoslowakisch wurde, habe ich mich um die deutsche Staatsangehörigkeit beworben und sie erhalten. Im Jahre 1935 wurde sie durch Gesetz widerrufen. Ich beziehe eine Pension des Staatstheaters Bremen und des Nationaltheaters Mannheim. Seit Juni 1934 wohne ich in Baden-Baden."

Quellen/Literatur:

StABAD A23/37; StABAD A5/Meldekarte; StAF P 303/4 Nr. 1018
Biographisches Lexikon der Theaterkünstler, Teil 2, 1998, S. 521.