geb. 30.06.1875 in Saarbrücken (Aschbacher Hof bei Gersweiler), gest. 10.07.1940 in Grafeneck

Eltern:

Kromayer, Agnes, geb. Möllinger (gest. 1919)
Kromayer, Karl (gest. 1916)

Weitere Angehörige:

Geschwister:
Kromayer, Paula
Kromayer, Agnes

Adressen:

Ooser Hauptstraße 49 (von Saarbrücken kommend, 1900-1911
Sinzheimer Straße 38 (1911-1925, 1929-1937 jeweils nach Achern (Illenau))

Weiteres Schicksal:

Am 10. Juli 1940 in Grafeneck ermordet

Karl Kromayer wurde am 30. Juni 1875 in Saarbrücken (Aschbacher Hof) als drittes Kind unter vier Geschwistern geboren. Die Eltern waren dort der Gutsbesitzer Karl Kromayer und seine Frau Agnes, geb. Möllinger, evangelischer Religion. Der Sohn kam als Sieben-Monatskind auf die Welt. Im Kindes- und Jugendalter war er mehrmals schwer erkrankt, u. a. Gelbsucht, "Gehirnkrämpfe", Rachitis. Ansonsten aber soll er ein "lebhafter und vergnügter Mensch" gewesen sein.

Nach dem Abitur studierte Kromayer Philologie in Erlangen, fand aber keine Anstellung und lebte deshalb als "Privatier" bei seiner Familie, die im Jahr 1900 nach Oos umgezogen war. Die Eltern starben 1916 bzw. 1919, und Kromayer bewohnte zusammen mit seinen beiden unverheirateten Schwestern Agnes und Pauline das elterliche Haus.

Ab Anfang 1925 hatte er ernste psychische Probleme, wie Angstzustände, Schlaflosigkeit und Verfolgungswahn. Dazu kamen Suizidversuche im Juli und August 1925. Der Fünfzigjährige wurde sodann in der Badischen Heil- u. Pflegeanstalt Illenau als Patient aufgenommen.

Die ausführliche Patientenakte, die sich im Staatsarchiv Freiburg erhalten hat, zeigt auf, dass der Erkrankte immer wieder an Verfolgung durch Kommunisten glaubte, wie er dies auch ausführlich schriftlich im September 1926 dem Arzt Dr. Oster berichtete.

1929 wurde Kromayer nach Hause zu seiner Schwester entlassen, aber am 1. Februar 1937 erneut wegen psychischer Probleme im Städtischen Krankenhaus Baden-Baden aufgenommen und von dort in die Illenau gebracht. Er schrieb mit sehr guter, klarer Schrift an seine Schwester Agnes: "Es gefällt mir gar nicht mehr in Illenau." Im November 1937 beklagte er sich über die Menge und Qualität des Essens.

Ein Jahr darauf, 1938, wurde Karl Kromayer in das Pflegeheim Hub, Ottersweier, verlegt. Von dort wurde er am 10. Juli 1940 nach Grafeneck gebracht und am gleichen Tag getötet - eines von über 70 000 Opfern der menschenverachtenden Krankenmorde durch die Nationalsozialisten.

Quellen/Literatur:

StABAD A5/Meldekarte; StAF B 821/2 Nr. 9101; KA RA 1Hub B1

Hier wohnte
KARL KROMAYER
JG. 1875
SEIT 1925 MEHRERE HEILANSTALTEN
"VERLEGT" 10.7.1940 GRAFENECK
ERMORDET 10.7.1940
"AKTION T4"

Stolperstein Sinzheimer Straße 38, verlegt am 19.02.2018