geb. 29.11.1886 in Dortmund, gest. 31.08.1942 in Auschwitz

Weitere Angehörige:

Stiefkinder:
Leiser, Ruth (1929 nach Melsungen)

Adressen:

Ooser Hauptstraße 18 (von Wysoka (Wissek, Polen) kommend, 1920-1939)

Weiteres Schicksal:

Am 31. August 1942 in Auschwitz ermordet

Bild(er):

Die Eheleute Olga und Ernst Mainzer, 1889 bzw. 1886 geboren, zogen im Juni 1920 von Wysoka (Wissek, Polen), einer Stadt im damaligen Westpreußen, nach Oos. Der Grund für den Umzug könnte die Abtretung Westpreußen an die Polnische Republik gemäß der Auflagen des Versailler Vertrages gewesen sein. Die Kinder Alfred und Herbert, Zwillinge, geboren am 25. März 1920, waren da gerade mal 3 Monate alt.

In der heutigen Ooser Hauptstraße 18 etablierten die Mainzers nach Ankunft in ihrer neuen Heimat ein Stoff- und Bekleidungsgeschäft. Ältere Ooser erinnern sich, dass die Familie nicht nur anerkannt und beliebt war, sondern dass es auch etwas Besonderes war, bei den Mainzers einzukaufen: Kleidung, Stoffe und die "Aussteuer" für die jungen Frauen.

Doch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wuchsen die Anfeindungen. In einem Schriftwechsel der NSDAP mit dem Oberbürgermeister unter dem Titel "Arisierung jüdischer Betriebe" wurde dringend empfohlen, das Haus "im Interesse einer weiteren Säuberung unserer Stadt von jüdischen Elementen" an einen Parteigenossen günstig zu verkaufen.

Dies und die Ereignisse im November 1938 veranlasste die Familie Mainzer, eine Auswanderung in Betracht zu ziehen. Sie beantragte die Ausstellung von sogenannten Kennkarten, die sie für eine Ausreise benötigten. Diese erhielten sie zusammen mit einem Visum zur Einreise nach Kuba.

Die nunmehr 18 Jahre alten Zwillinge brachten sie vorher über kurze Aufenthalte in München und Stuttgart auf ein Schiff, das sie in England in Sicherheit brachte. Der Schmerz der Trennung muss schier unerträglich gewesen sein.

Die Eltern Mainzer konnten sich auf die MS St. Louis einschiffen, das sie nach Kuba bringen sollte. Aber sowohl in Kuba als auch in New York durfte das Schiff nicht ankern. Es musste unverrichteter Dinge nach Europa zurückfahren. Es steuerte Holland an, wo die Mainzers knapp drei Jahre lebten.

Nach der Besetzung Hollands durch die deutschen Truppen wurde das Ehepaar Mainzer aber im August 1942 verhaftet und über Westerbork nach Ausschwitz deportiert. Ernst und Olga Mainzer wurden am 31. August 1942 ermordet.

Quellen/Literatur:

Arolsen Archives Zugangsbuch des KZ Dachau 1.1.6.1 / 9892622, Schreibstubenkarte des KZ Dachau, 1.1.6.7 / 10701042, Transportliste des Sammel- und Durchganglagers Westerbork, 1.1.46.1 / 5145123, Holland, Kriegszeitkartei der Juden, 1.2.4.2 / 12778146; StABAD A23/29; StABAD A5/Meldekarte; HStAS 99/001; StAF P 303/4 Nr. 339; StAF F 196/1 Nr. 1290; Gedenkbuch Bundesarchiv

Hier wohnte
ERNST MAINZER
JG. 1886
FLUCHT 1939 KUBA MS ST. LOUIS
EINREISE VERWEIGERT
HOLLAND / WESTERBORK
DEPORTIERT 1942 AUSCHWITZ
ERMORDET 31.8.1942

Stolperstein Ooser Hauptstraße 18, verlegt am 19.02.2018