14. Juli 1896
Leistner, Rosa, geb. Hahn
Leistner, Friedrich
Luisenstraße 2 (aus München kommend, 1925)
Luisenstraße 20 (1925)
Ludwig-Wilhelm-Straße 6 (1925-1926, nach München)
Luisenstraße 20 (1926)
Ludwig-Wilhelm-Straße 1 (1926-1938, nach San Remo)
Am 25. Feb. 1938 Emigration nach San Remo, dann England
Helene Amalia Marie Neumann, geb. v. Leistner, kam im bayrischen Neunburg vorm Wald am 14. Juli 1896 zur Welt. Wilhelm Neumann lernte sie als Patientin in einem Davoser Sanatorium kennen, wo der junge Mann als Arzt tätig war und gleichzeitig eine Tuberkuloseerkrankung auskurierte. Das Paar heiratete am 30. Oktober 1926 in Baden-Baden. Wenig später bezogen Sie eine repräsentative Villa in der Ludwig-Wilhelm-Straße 1, wo Neumann im Erdgeschoss seine Artzpraxis einrichtete. Im 1. Geschoss befand sich die Privatwohnung, die Helene und Wilhelm Neumann zu einem "Museum" machte, wie ein Freund feststellte - mit Gemälden, Kunstgegenständen, Antiquitäten und "einer großen, wertvollen Bücherei".
1933 verlor Wilhelm Neumann durch die NS-Gesetzgebung seine Kassenpraxis und bald auch den wesentlichen Teil seiner Privatpraxis. Als Konsequenz baute er sich ein zweites Standbein in San Remo auf und praktizierte nur noch in den Sommermonaten in Baden-Baden. Seine nichtjüdische Ehefrau konnte ihn in beruflicher Hinsicht nicht schützen, ebenso wenig, als die Gestapo 1937 gegen Wilhelm Neumann ein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe wegen Vergehens gegen das "Gesetz zum Schutz des Deutschen Blutes und der Deutschen Ehre" einleitete. Wie andere jüdische Ärzte wollte man ihn mit einem Prozess wegen angeblicher Rassenschande einschüchtern und warf ihm vor, er habe seiner nichtjüdischen Assistentin in seinem Haus eine Unterkunft angeboten. Da er nachweisen konnte, dass dazu eine polizeiliche Genehmigung vorlag, wurde das Verfahren schließlich eingestellt.
1938 nutzte Wilhelm Neumann einen Krankentransport nach San Remo, um in Italien zu bleiben. Seiner Frau oblag es nun, das Anwesen zu verkaufen. Es konnte nur deutlich unter Wert (Einheitswert: 35.000 RM; Verkehrswert: 80.000 RM, Verkaufserlös: 35.000 RM) veräußert werden. Schließlich kam Helene Neumann zusammen mit Betty Baer nach San Remo nach. Aber auch im faschistischen Italien war Wilhelm Neumann nicht sicher: ausländische Juden sollten das Königreich bis zum 13. März 1939 verlassen. Er floh nach England und wieder kamen seine Frau und Betty nach, denn nun musste der Haushalt in San Remo aufgelöst werden und der Hausrat nach England verschifft werden. Visa waren inzwischen schwer zu bekommen, der Zweite Weltkrieg war ausgebrochen. Als Helene Neumann und Betty Baer endlich im November 1939 in England eintrafen, war Wilhelm Neumann todkrank: Stressbedingt war die Tuberkulose, die er sich in der Jugend zugezogen hatte, wieder aufgebrochen und äußerte sich in einer Meningitis, die am 29. Dezember 1939 zum Tod des 55jährigen führte.
Helen Newman - ihren deutschen Namen legt sie ab - und Betty Baer hielten sich zunächst mit Verkäufen des Hausstandes über Wasser. Im Februar 1940 eröffnete Helen Newman ein Gästehaus, von dessen Einkünften die beiden Frauen leben. Betty Baer fand schließlich eine Anstellung bei einem Arzt in Leamington.
StABAD A5 Meldekarten; A26/12-37; A26/12-252; A26/1-116; A23/13; StAF F 196/1 Nr. 5900; StAF F165/1 Nr. 28; StAF F166/3 Nr. 7781;
Schindler, Angelika: Der verbrannte Traum. Jüdische Bürger und Gäste in Baden-Baden, Baden-Baden ²2013, S. 137.
Hier wohnte
HELENE NEUMANN
GEB. VON LEISTNER
JG. 1896
FLUCHT 1938
ITALIEN
ENGLAND
Stolperstein Ludwig-Wilhelm-Straße 1, verlegt am 21.05.2025