geb. 25.12.1885 in Baumholder (Birkenfeld), gest. 11.02.1953 in Baden-Baden

Ehepartner:

Stuermer, Franzi Johanna Margareta, geb. Camozzi

Eltern:

Stuermer, Katharina, geb. Schneider
Stuermer, Jakob Rudolf

Kinder:

Ruhland, Ingeborg, geb. Stuermer

Beruf:

Syndikus, Fabrikant

Adressen:

Vincentistraße 16 (von Berlin kommend, 1942)

Offizier im 1. Weltkrieg und beschäftigt bei der Preußischen Eisenbahnverwaltung. 1920-1925 Mitglied der „Deutschvölkischen Freiheitsbewegung“, einer Abspaltung der DNVP und des Nationalverbandes Deutscher Offiziere. Trat zum 1. August 1930 in die NSDAP ein und arbeitete, da pensioniert, ehrenamtlich beim NSDAP-Gau Berlin.

Trotzdem er Kriegskamerad von Hermann Göhring war und sich zur SS beworben hatte, wurde seine politische Zuverlässigkeit angezweifelt, möglicherweise auch aufgrund seiner Bekanntschaft mit Gustav Stresemann, möglicherweise aber auch, weil er als Anhänger des radikalen Stennes-Flügels in der NSDAP galt. Gegen seinen zum 7. April 1931 wirksamen Ausschluss aus der NSDAP ging er erfolgreich vor, nur um danach auf eigenen Entschluss am 16. August 1932 die Partei zu verlassen.

Anfang der 1930er Jahre lernte er den halbjüdischen Fabrikdirektor Fritz Hesse und seine Ehefrau Franzi Hesse-Camlozzi kennen. Hesse produzierte in der Chemisch-pharmazeutischen Fabrik Ruko (Dr. Rudolf Kohn), Berlin-Kreuzberg, Badezusätze, flüssige Seifen, Kosmetika und andere Hygieneartikel. Ende 1938 wurde Franzi als treuhänderische Betriebsführerin eingesetzt und erwarb die Fabrik nach dem am 6. Juni 1939 erfolgten Freitod ihres Mannes, rückwirkend zum 1. Januar 1939. Paul Joseph Stürmer trat als Geschäftsführender Gesellschafter in die Gesellschaft ein. War vom Januar bis Dezember 1937 im KZ Oranienburg-Sachsenhausen und erneut vom Februar bis zum 23. Juli 1941 im Reichssicherheitshauptamt, Prinz-Albrecht-Straße 8 interniert.

1942 fiel seine Fabrik in Berlin einem alliierten Bombenangriff zum Opfer. Auf der Suche nach einem Ausweichquartier stieß Stürmer auf den Haslacher Hof in Iffezheim, ein freistehendes Gasthaus mitsamt Nebengebäuden, das zum Verkauf angeboten wurde. Hier richtete er seine Produktionsstätte ein, während der Geschäftssitz des Unternehmens „Haus Lilienkreuz“, Chemisch-pharmazeutische Fabrik, Dr. Stürmer & Co nach Baden-Baden, in die Vincentistraße 16, seinem nunmehrigen Wohnsitz, verlegt wurde. Auf den Iffezheimer Nutzflächen kultivierte Stürmer schon 1943 Heilpflanzen, die er als unentbehrliche Rohstoffe für die Herstellung pharmazeutischer Arzneimittel benötigte.

Beim Einmarsch der französischen Truppen, April 1945, wurde das Anwesen geplündert mit einem Gesamtschaden von 330.000 RM. Parallel zu diesen Aktivitäten – so zumindest glaubwürdige Aussagen im späteren Wiedergutmachungsverfahren – betätigte er sich im aktiven Widerstand gegen das Regime. In enger Zusammenarbeit mit dem Superior des Klosters Maria Hilf in Bühl/Baden brachte er viele politisch oder rassisch Verfolgte per Auto heimlich über die deutsche Enklave in die Schweiz. Bei der Aktion „Gewitter“ fand er im August 1944 Unterschlupf im Bühler Kloster.

Nach Kriegsende versuchte Stürmer, sich aktiv in die Umerziehungspolitik einzubringen. Seine „Union der Aktivkräfte gegen den Nazismus, für ein lebendiges Abendland“ war kurzzeitig ein akzeptierter Mitspieler in diesem Bereich. Angesichts der vielen Ungereimtheiten im Verlaufe seines Lebens, insbesondere bei der Arisierung der pharmazeutischen Fabrik Ruko, gingen viele bald auf Distanz zu Stürmer. Erst im Mai 1960 wurde der Wiedergutmachungsantrag des 1953 verstorbenen Paul Joseph Stürmer, Anspruchsberechtigte Franzi Stürmer, unter Verweis auf die kurzzeitige Mitgliedschaft von Paul Joseph Stürmer in der NSDAP abgelehnt.

Quellen/Literatur:

StAF F 196/1 Nr. 2368; StAF C 5/1 Nr. 1934; https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschvölkische_Freiheitspartei;
Kurt Hochstuhl: Iffezheim. Die Geschichte eines Dorfes am Rhein. Heidelberg 2006, S. 213-215.