geb. 02.03.1892 in Leobschütz, gest. 13.09.1979 in Baden-Baden

Ehepartner:

Wohl, Anna Wilhelmi Rubens, geb. Schulz (oo 28. Dez. 1946)

Weitere Angehörige:

Geschwiser:
Wohl, Julius Schwester:
Margot Ewers (geb. Wohl)

Beruf:

Jurist

Adressen:

Schillerstraße 7 (von Frankfurt am Main kommend 1921)
Lange Straße 68 (1921-1922)
Ludwig-Wilhelm-Platz 5 (1922-1926)
Sophienstraße 7 (1926)
Lange Straße 49 (1926-1928, 1929)
Kaiserallee 4 (1930-1931, 1931-1935)
Inselstraße 2 (1935)
Sophienstraße 26/28 (1935-1938)
Lichtentaler Straße 58 (1938)
Lichtentaler Straße 71 (1938-1940, nach Gurs)

Weiteres Schicksal:

22. Oktober 1940 Deportation nach Gurs

Bild(er):

Curt Wohl wurde am 2. März 1892 in Leobschütz (damaliges Oberschlesien) als jüngstes der drei Kinder von Richard Wohl und seiner Frau Auguste (geb. Mankiewicz) geboren. Sein Bruder Julius Wohl (geb. 1881) war später der Besitzer und Betreiber der bekannten Hofapotheke in Baden-Baden.

Zum 15. November 1921 zog Curt Wohl aus Frankfurt am Main nach Baden-Baden in die Lichtentaler Straße 71. Vor seinem Einsatz als Kriegsfreiwilliger (Leutnant) im Ersten Weltkrieg, in dem er 1918 verwundet wurde, hatte Curt Wohl unter anderem in Freiburg und München Rechtswissenschaften studiert. Nach dem Krieg beendete er das Studium und promovierte zum Dr. jur.

Ab dem Jahre 1928 war Curt Wohl Bevollmächtigter der Firma Schiele u. Bruchsaler Industriewerke AG, bis diese ihren Firmensitz 1932 nach Hornberg verlegte. Curt Wohl arbeitete ab diesem Zeitpunkt als selbstständiger Treuhandkaufmann in Baden-Baden. Der wachsende Druck des Antisemitismus und der Restriktionen des Nationalsozialistischen Staates wurde ab 1933 zunehmend für ihn spürbar.

Von November 1938 bis Februar 1939 war Curt Wohl im Konzentrationslager Dachau interniert. Im Oktober 1940 wurde er schließlich von Baden-Baden nach Gurs deportiert, wo er augenscheinlich Ansprechpartner für die Deportierten und Verbindungsmann zur Lagerleitung war, wie einem erhaltenen Laissez-Faire-Pass zu entnehmen ist. Die verzweifelte Situation im Lager in Gurs und die Sorgen der Angehörigen sind noch heute durch den überlieferten Briefwechsel Curt Wohls mit seiner Mutter Auguste greifbar.

Curt Wohl verblieb bis Ende März 1943 im Lager und wurde im Anschluss bis August 1944 als ausländischer Zwangsarbeiter in den Salzminen von Salin de Giraud, Departement Bouches du Rhône, beschäftigt. Er entging dem geplanten Abtransport in ein Vernichtungslager durch die Befreiung im Oktober 1945 und arbeitete bis Juli 1946 als Angestellter der Banca Commerciale Italiana in Marseille.

Von dort kehrte er im August 1946 nach Baden-Baden zurück. Am 28. Dezember 1946 heiratete er hier Anna Wilhelmine Rubens, geborene Schulz. Curt Wohl fand als anerkannter Verfolgter des NS-Regimes zu Beginn des Jahres 1948 Anstellung als Regierungsrat zunächst bei der Polizeidirektion Baden-Baden und ab dem 1. April 1956 schließlich bei der Stadtverwaltung Baden-Baden.

Im August 1970 verstarb seine Frau Anna und Curt Wohl heiratete noch im selben Jahr Gertrud Antonia Emmer, geborene Götzinger. Das Ehepaar wohnte zuletzt in der der Maximilianstraße 32 in Baden-Baden, bis Curt Wohl am 14. September 1979 verstarb.

Quellen/Literatur:

StABAD A23/45; StABAD A5/Meldekarte; StAF F 30/1 Nr. 2207; StAF F 196/1 Nr. 1437; Universitätsarchiv München: Digitales Studentenverzeichnis; HStAS EA 2-150_Bue 1907; Universitätsarchiv Freiburg: B44/43
Wohl, Fred, Stationen der bewegten Lebensgeschichte eines deutschen Juden in Amerika, Essen, Washington D. C., 2002
Foto: Curt Wohl (r.) mit seinen älteren Geschwistern Margot und Julius, 1903