geb. 12. Februar 1925 in Baden-Baden, gest. Januar 2001

Ehepartner:

Ward, Sybil

Weitere Angehörige:

Geschwister:
Wolf, Werner Heinz

Adressen:

Quettigstraße 5 (1925-1929)
Vincentistraße 6 (1929-1938)
Lange Straße 16 (1938-1939)

Weiteres Schicksal:

Am 24. August 1939 Emigration nach London

Bild(er):

Einer der wenigen jüdischen Jugendlichen, die im Mai 1939 noch in Baden-Baden leben, ist der 14-jährige Erich Wolf.

Viele jüdische Kinder konnten in den ersten Monaten des Jahres 1939 die Stadt verlassen, viele Freunde von Erich sind dabei: Miriam Grünfeld, die Tochter des Kantors, Hans-Jörg Baer und die "Bergmann Buben". Schon früher gegangen sind Karl Kahn, der Sohn der befreundeten Rechtsanwaltsfamilie, und die Jungen des Lehrers Arthur Flehinger. Sie alle kämpfen sich in England durch einen schwierigen Alltag in Schulen und Internaten. Auch Erichs älterer Bruder Werner verlässt 1937 Deutschland, weil er das Glück hat, in Manchester eine Anstellung zu finden. Erich ist begierig auf Werners Briefe, in denen er von seinem Leben in England erzählt. Zu Hause in Baden-Baden ist es langweilig für den Jungen, der nach dem Novemberpogrom nicht mehr zur Schule gehen darf. Zweimal wöchentlich erhält er Unterricht in englischer Konversation. Die Eltern können ihre Sorgen vor ihm nicht verbergen. Erich, der sich später in Eric Ward umbenennen wird, sagt über den Jungen, der er damals war, anlässlich eines Besuchs in Baden-Baden im Jahr 2000: "Man war ernster. Man wusste viel. Man lernte schweigen". Auch gegenüber den Eltern zu schweigen, um ihnen unangenehme Nachrichten zu ersparen.

Erichs Vater, der Immobilienmakler Oskar Wolf, unternimmt alles, was möglich ist, um den Sohn in einem Kindertransport nach England unterzubringen. Doch erst am 17. August 1939 kommt endlich die heiß ersehnte Nachricht, dass Erich beim nächsten Kindertransport, am 24. August 1939, dabei sein kann - sozusagen in letzter Minute vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, als die Kindertransporte eingestellt werden. Der letzte Zug verlässt Deutschland am 1. September 1939, am Tag des Überfalls auf Polen, fast 10 000 Kinder konnten auf diese Weise gerettet werden.

Die Eltern sind sich bewusst, dass auf ihren Kindern, die nun beide in Manchester sind und allein zurechtkommen müssen, viel Verantwortung lastet. Erich Wolf ist bei der Familie eines Kürschners untergekommen und arbeitet in der Werkstatt mit. Bei einem Besuch in Baden-Baden im Jahr 2000 kommentierte er diese Zeit: "Das Letzte, was mich interessierte, waren Pelzmäntel!"

Anfang 1945 tritt Erich Wolf als 19-jähriger in die britische Armee ein, den 8. Mai 1945 erlebt er in Holland. Nach dem Kriegsende ist er in Essen stationiert und führt im Rahmen der Entnazifizierung Verhöre in deutschen Industriebetrieben durch. "Wir waren um die zwanzig Jahre alt und hatten als Ankläger, als Richter auf einmal eine unheimliche Macht" beschreibt Eric Ward 2000 diesen plötzlichen Rollenwechsel vom Verfolgten zum Sieger.

1947 kehrt er nach England zurück - mit seiner Frau Sybille, die er in Deutschland kennen gelernt hat. Er wird Manager in einem Metallbetrieb und später Dozent der Wirtschaftswissenschaften.

Quellen/Literatur:

StABAD A23/29; StABAD A5/Meldekarte; StAF F 196/1 Nr. 3731
Schindler, Angelika: Der verbrannte Traum. Jüdische Bürger und Gäste in Baden-Baden, Baden-Baden ²2013, S. 90 f, 218 ff., 236 ff.

Hier wohnte
ERICH ALFRED WOLF
JG. 1925
FLUCHT AUGUST 1939 ENGLAND
ÜBRLEBT



Stolperstein Lange Straße 16, verlegt am 28.11.2011