geb. 11.09.1910 in Baden-Baden (Umweg), gest. 19.10.1940 in Grafeneck (offiziell: Hartheim)

Eltern:

Ziegler, Anna, geb. Harbrecht
Ziegler, Franz

Adressen:

Steinbach

Weiteres Schicksal:

Am 19. Oktober 1940 in Grafeneck ermordet

Bild(er):

Emma Ziegler wurde am 11. September 1910 in Steinbach-Umweg geboren, einem heutigen Ortsteil Baden-Badens. Ihre Mutter starb vier Wochen nach der Geburt. Eineinhalb Jahre später heiratete der Vater erneut.

Vieles deutet darauf hin, dass die wesentlich jüngere zweite Ehefrau mit dem Stiefkind überfordert war. Emma zeigte früh Verhaltensauffälligkeiten, lief davon und beging kleine Diebereien. Die Stiefmutter reagierte mit Härte, der rüde Umgangston wurde zum Dorfgespräch. Nathalie selbst berichtete von Schlägen und Demütigungen.

In der Schule war Emma schwach. Mit neun kam sie in die St. Josefsanstalt Rheinfelden (Herten). Auch dort blieben die Lernerfolge dürftig, so dass sie mit elf als "nicht bildungsfähig" entlassen wurde. Fortan galt Nathalie als "schwachsinnig". 1923 brachte der Vater seine Tochter in die Heil- und Pflegeanstalt Illenau, zwei Jahre später wurde sie nach Emmendingen verlegt.

Weil sie weiterhin stahl und "sinnlos demolierte", lehnten die Ärzte ihre hartnäckig geäußerten Wünsche auf Entlassung regelmäßig ab. Auch Emmas Suche nach körperlicher Nähe, in der die Gutachter "sexuelle Unhaltbarkeit" sahen, sprach in ihren Augen dagegen.

Das Bild, das man aus den Akten von Emma gewinnt, widerspricht in verstörender Weise dem des "typischen" Opfers der Krankenmorde. Emma war zwar geistig retardiert, konnte jedoch weitgehend selbst für sich sorgen. Sie nahm regen Anteil an ihrer Umgebung, war lebenslustig und stets guter Laune. Auch wird sie als ordentlich und fleißig beschrieben. Ihre Briefe waren fehlerfrei und in einer sauberen Handschrift verfasst.

Emma war durchaus in der Lage, Zusammenhänge zu begreifen und ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Da eine Entlassung nicht zu erreichen war, unternahm sie wiederholt Fluchtversuche, zuletzt im August 1940. Vielleicht ahnte sie, dass ihr der Tod drohte.

Emma Ziegler wurde am 30. September 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.

Quellen/Literatur:

StABAD A43/Geburtsregister; StABAD B7/349; BArch R179/2946; StAF B 820/1;