geb. 01.03.1905 in Baden-Baden, gest. 22.01.1992 in Frankfurt (am Main)

Eltern:

Lewin (genannt: Wolff), Henriette, geb. Dreifuss
Lewin (genannt: Wolff), Isodor

Beruf:

Kapellmeister, Sänger

Adressen:

Merkurstraße 14 (1936, 1937, 1938)

Weiteres Schicksal:

Am 26. November 1938 Emigration nach New York

Bild(er):

Ernst Wolff wurde am 1. März 1905 in Baden-Baden als einziges Kind von Isidor und Henriette Lewin, genannt Wolff, geboren. Der Vater kam 1905 aus dem preußischen Posen und war als Schächter der jüdischen Gemeinde eingestellt. Gelegentlich sang er als "Aushilfskantor" in der Synagoge, insbesondere an den Hohen Feiertagen. Die Mutter Henriette wurde in Kuppenheim geboren und wuchs in Malsch auf. Sie lebte ab 1904 in Baden-Baden. Ernst wurde sicher sehr früh musikalisch geschult. Er konnte dank eines Mäzens in den frühen zwanziger Jahren am Hoch'schen Konservatorium in Frankfurt am Main Musiktheorie und Klavier studieren und wurde 1931 von der Oper Frankfurt als Korrepetitor eingestellt. 1929 dirigierte er gemeinsam mit Alfons Dressel die Uraufführung des "Badener Lehrstücks vom Einverständnis" von Bertolt Brecht und Paul Hindemith beim Baden-Badener Festival "Deutsche Kammermusik".

Ernst Wolffs Karriere endete zunächst 1933 mit Beginn der Nazi-Diktatur. Von da an konnte er als Musiker und Liedersänger in seiner Heimat nur in Verbindung mit jüdischen Organisationen und zusätzlich im Ausland konzertieren. Mit Hilfe von Max Reinhardt und Kurt Weill emigrierte er 1938 in die USA. Seine und seiner Mutter Abmeldung aus Baden-Baden datieren kurz vor dem November-Pogrom im selben Monat. Seine Mutter flüchtete nach Lugano in die Schweiz.

Ernst Wolff hatte in den USA mit deutscher Liedkunst viel Erfolg, da diese dort damals kaum bekannt war. Er sang Lieder von Clara Schumann, Werke von Liszt, von Robert Franz, Johannes Brahms und anderen Komponisten, wobei er sich selbst am Flügel begleitete. Bei Columbia wurden Schallplattenaufnahmen publiziert.

Ab 1948 kam Ernst Wolff zu Konzertreisen wieder nach Europa. Er ließ sich in Breganzona im Schweizer Kanton Tessin nieder und gründete dort die "Serate musicali breganzonesi" (1967-1976).

Auch Baden-Baden besuchte er immer wieder. Der damalige Südwestfunk produzierte und sendete von dort im Kirchenfunk 1958, 1960 und 1961 jeweils im September eine "Feierstunde zum jüdischen Neujahrsfest", bei der Ernst Wolff als Kantor mitwirkte. Das 1958 von ihm gesungene Eröffnungslied erklang 2021 bei der Verlegung der für ihn und seine Mutter bestimmten Stolpersteine.

Ernst Wolff erhielt 1951 einen Ehrendoktortitel der Hamline University und 1962 als Wiedergutmachung den Professorentitel von der Stadt Frankfurt. Er wurde im gleichen Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Quellen/Literatur:

StABAD A5/Meldekarte

Hier wohnte
ERNST WOLFF
JG. 1905
FLUCHT 1938
USA



Stolperstein Merkurstraße 14, verlegt am 18. Oktober 2021