geb. 06.12.1884 in Mannheim, gest. 03.12.1941 in Gurs

Ehepartner:

Mayer, Käthe, geb. Kern (geschieden)

Eltern:

Mayer, Henriette, geb. Karlebach
Mayer, Ferdinand

Kinder:

Mayer, Maximilian Bertold
Mayer, Hermann
Mayer, Margarethe

Beruf:

Kaufmann

Adressen:

Maximilianstraße 40 (von Mannheim kommend, 1906,1913)
Lichtentaler Straße 67 (1913-1914)
Fremersbergstraße 103a (1914-1919, nach Berlin)
Hochstraße 23 (von Bad Dürrheim kommend, 1928-1929)
Hardstraße 4 (1929-1934)
Werderstraße 18 (1934-1935)
Quettigstraße 3 (1935-1936)
Friedhofstraße 26 (1936)
Fremersbergstraße 103 (1936-1940)

Weiteres Schicksal:

22. Oktober 1940 Deportation nach Gurs, dort am 3. Dezember 1941 verstorben

Julius Mayer wurde am 6. Dezember 1884 als Sohn des Ferdinand Mayer und der Henriette, geb. Karlebach in Mannheim geboren. Sein Vater handelte mit Kurz- und Wollwaren sowie mit Schuhen. Auch Julius erlernte den Beruf eines Kaufmanns. 1906 zog er von Mannheim nach Baden-Baden. 1908 heiratete er Käthe, geb. Kern. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, wobei ein Mädchen kurz nach der Geburt bereits wieder verstarb. Einen Sohn hatte die Ehefrau mit in die Ehe gebracht. Käthe Mayer war katholischer Konfession. Möglicherweise aus diesem Grund wurde die gemischtkonfessionelle Ehe am 19. Dezember 1935 wieder geschieden. Am 22. Oktober 1940 wurde Julius Mayer nach Gurs deportiert. Dort ist er am 3. Dezember 1941 verstorben.

Anlässlich der Verlegung eines Stolpersteins für Julius Mayer im Jahr 2015 erinnerte sich ein Urgroßenkel:
"Leider wissen wir über meinen Urgroßvater Julius nicht allzu viel, da mein Großvater über die Familiengeschichte zeit Lebens sehr wenig sprechen wollte. Wir wissen lediglich, dass mein Urgroßvater Prokurist bei einer Baden-Badener Firma war, leider wissen wir nicht, welche. Seine Ehe wurde auf Betreiben meiner Urgroßmutter geschieden, was für unseren Urgroßvater das Todesurteil bedeutete.

Mein Großvater war Bertold Maximilian (genannt "Berthold"), der selbst nur der Verfolgung entkam, da meine Großmutter sich trotz großem Druck der Nazis nicht von ihm scheiden ließ. Der jüngere Bruder Hermann war in die USA ausgewandert. Zu seiner Mutter hatte mein Großvater Berthold aufgrund der Ereignisse ein denkbar schlechtes Verhältnis. Die meisten Familienmitglieder meines Urgroßvaters Julius starben in den Konzentrations- und Vernichtungslagern (sie sprachen immer von einer "großen Familie" - es waren, meine ich, fünf Geschwister). Nur zwei der Brüder meines Urgroßvaters schafften mit ihren Familien die Flucht nach Chile bzw. Argentinien, wo sie beinahe mittellos und gebrochen ein sehr bescheidenes, ärmliches Dasein fristeten. Alle Brüder meines Urgroßvaters waren Veteranen des ersten Weltkriegs, hatten Auszeichnungen erhalten, und konnten bis zuletzt nicht begreifen, wie sich der versprochene "ewige Dank des Vaterlands" in Hass, Vertreibung, Mord und Vernichtung gewandelt hatte.
Mein Großvater Berthold ist in Baden-Baden groß geworden (Jahrgang 1910). Nach seinem Schulabschluss an der Volksschule verließ er bereits als Jugendlicher in den 1920er Jahren Baden-Baden und ging zur kaufmännischen Ausbildung nach Berlin. Er und seine Kinder waren die einzigen Verwandten von Julius Mayer, die nach dem Krieg noch in Deutschland lebten. Mein Großvater war auch nach dem Krieg beruflich vor allem in Berlin tätig. Sein ganzes Leben lebte mein Großvater mit unserer Familie in Berlin und hatte seinen Zweitwohnsitz in Baden-Baden in der Schillerstraße, wo er jedes Jahr viel Zeit verbrachte."

Quellen/Literatur:

StABAD A5/Meldekarte; StAF F 196/1 Nr. 4752; Gedenkbuch Bundesarchiv; MARCHIVUM/Meldekarten; Dokumentation MARCHIVUM, AZ 25.60.51/8/2021; HStAS 99/001

Hier wohnte
JULIUS MAYER
JG. 1884
DEPORTIERT 1940 GURS
TOT 3.12.1941.



Stolperstein Fremersbergstraße 103, verlegt am 09.09.2015