geb. 24.05.1875 in Königshütte (Schlesien), gest. 07.05.1960 in St. Petersburg (Florida)

Beruf:

Kaufmann

Adressen:

Kaiser-Wilhelm-Straße 1 (von Schwäbisch Gmünd kommend, 1936-1940)

Weiteres Schicksal:

22. Oktober 1940 Deportation nach Gurs

Bild(er):

Gründete 1905 das erste Warenhaus in Schwäbisch Gmünd. Bis Dezember 1935 fungierte er als Geschäftsführer der Volksbedarf GmbH Heidenheim an der Brenz, danach für wenige Monate als Geschäftsführer der Volksbedarf GmbH in Ulm.
In Baden-Baden erwarb er 1936 die Villa Kaiser-Wilhelm-Straße 1, die er komplett umbaute und sanierte. Im selben Jahr musste er insgesamt 58.600 RM als Judenvermögensabgabe entrichten. Am 5. Oktober 1936, Yom Kippur, von der Gestapo aus der Synagoge geholt und einem stundenlangen Verhör unterzogen, das sich am folgenden Tag fortsetzte. Es folgten zehn Wochen Untersuchungshaft wegen des unbegründeten Verdachts des Verstoßes gegen die Devisenbestimmungen.
Am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, danach in verschiedenen Lagern interniert. 1943 gelang ihm und seiner Ehefrau die Auswanderung in die USA. Mit der Deportation 1940 und der am 19. März 1941 erfolgten Ausbürgerung wurde sein gesamtes Vermögen als verfallen erklärt. Die Villa Kaiser-Wilhelm-Straße 1 wurde beschlagnahmt und als Sitz der Außenstelle Baden-Baden der Gestapo-Leitstelle Karlsruhe verwendet. Nach 1945 wurde sie von der Direction de Justice, Bureau d'Enquêtes et Recherches des Criminels de Guerre zeitweilig beschlagnahmt.

In zahlreichen Restitutionsprozessen, die Alfred Meth von seiner neuen Heimat St. Peterburg, Florida, USA, betrieb, suchte er sein verlorengegangenes Vermögen wieder in seinen Besitz zu bekommen oder dafür zumindest eine angemessene Entschädigung zu erhalten. Ein schier unmögliches Unterfangen, wenn man die Praxis der "Verschleuderung" jüdischen Eigentums durch öffentliche Versteigerungen berücksichtigt, deren Procedere Kriminalkommissar Merz am 10. Juni 1947 wie folgt beschrieb:
"Die Einrichtungsgegenstände wurden 1940/41 durch die seiner Zeit gebildete Stelle "Beschlagnahmtes jüdisches Vermögen'" deren Leiter in Baden-Baden Polizeioberinspektor Albrecht war und der jetzt in Schramberg/Schwarzwald wohnt, zwangsversteigert. Die einfacheren Möbelstücke, Hausrat usw. wurden durch den Gerichtsvollzieher Kiefer in der Stadthalle hier versteigert. Die Versteigerungslisten sind seinerzeit beim Beschuss des Amtsgerichts Baden-Baden vernichtet worden.
Antike und wertvolle Einrichtungsgegenstände wurden in das ehemalige Hotel Central gebracht, von Kunsthändler Albrecht Baden-Baden geschätzt und versteigert. Vor der Versteigerung hatten Liebhaber aus allen Regierungskreisen der Nazis Gelegenheit, ihren Bedarf zu decken.
Die Versteigerungslisten erhielt seinerzeit das Finanzamt Baden-Baden, welches diese wiederum nach Offenburg an die damalige "Zentralstelle für jüdisches Vermögen" abgab. Bei einem Luftangriff auf Offenburg sind die gesamten Akten angeblich verbrannt.
Die Versteigerungserlöse wurden teilweise an die Geschädigten ausbezahlt, bzw. auf deren noch bestandene Bankkonten überwiesen.
Die Silber- und sonstigen Schmuckwaren wurden teils an die Juwelier-Innung Baden-Baden und Pforzheim, größtenteils aber an die Reichspfandleihanstalt Berlin abgeliefert. Das Silber ist angeblich eingeschmolzen worden.
Der damals die Aktion leitende Juwelier Burgermeister ist noch in Baden-Baden, Gernsbacher Straße 18, wohnhaft und betreibt dort ein kleines Juweliergeschäft.
Juwelier Burgermeister hatte den Auftrag, den Wert des abgelieferten Schmucks zu bestimmen und die jeweilige Entschädigungssumme (im Verhältnis 1:10 des realen Werts, minus einer 10%igen Verwaltungsgebühr) festzulegen. Auf das Konto von Alfred Meth, der Schmuckgegenstände im Wert von über 14.000 RM abgeliefert hatte, wurden am Ende lediglich 1.338,89 RM gebucht."

Das Schicksal der Gemälde, die Alfred Meth bei seiner Deportation zurücklassen musste, darunter ein Porträt, das Max Liebermann von ihm fertigte, sowie weitere Gemälde von Münchner Malern, liegt noch im Dunklen.

Quellen/Literatur:

StABAD A23/45; StABAD A5/Meldekarte; StAF F 196/1 Nr. 3156; StAF 196/1 Nr. 3157; StAF P 303/4 Nr. 52