geb. 04.03.1880 in Hörden (Murgtal), gest. 17.04.1970 in USA

Ehepartner:

Weill, Luzian

Eltern:

Stern, Emma, geb. Nachmann
Stern, Isidor

Kinder:

Hamburger, Gertrud, geb. Weill
Weill, Hans Isidor Arnold

Weitere Angehörige:

Geschwister:
Köhler, Auguste, geb. Stern
Stern, Julius
Stern, Rosa
Stern, Marx

Beruf:

Hotelière

Adressen:

Lichtentaler Straße 58 (1910)
Lange Straße 23 (1910-1912)
Lange Straße 40 (1912-1921)
Sonnenplatz 1 (1921-1923)
Sophienstraße 15 (1927-1932)
Sophienstraße 3 (1932-1935)
Sonnenplatz 1 (1935-1938)
Sophienstraße 22 (1938-1940 nach Gurs)

Weiteres Schicksal:

22. Oktober 1940 Deportation nach Gurs

Bild(er):

Eugenie Weill geb. Stern wurde am 4. März 1880 in Hörden geboren. Ihre Eltern waren der Gastwirt Isidor Stern und seine Frau Emma geb. Nachmann. Die Familie zog 1907 nach Baden-Baden.

Am 29. Oktober 1908 heiratete Eugenie den aus Frankreich stammenden Luzian Weill. Ein Jahr später, am 20. August 1909, kam ihre gemeinsame Tochter Gertrud zur Welt. Am 3. September 1911 wurde ihr Bruder Hans Isidor geboren. Beide Kinder bekam sie in Bad Herrenalb wo Sie in den Sommermonaten ein Hotel betrieb.

Im Frühjahr 1920 übernahmen Eugenie und Sulamith Michel das "Schwarzwaldhotel Sternen" in Bad Herrenalb. Gleichzeitig stellten sie den Wirtschaftsbetrieb in den Hotels "Lion" und "Central" ein.
Das "Schwarzwaldhotel Sternen" öffnete jedes Jahr in der Sommersaison von Mai bis September. Es lag zentral an der Hauptdurchgangsstraße gegenüber des Kurparks. Daher hatten sie in guten Zeiten zwischen 70 und 80 Kurgäste. Diese waren fast ausschließlich Juden.

"Ab 1934 nahm der Besuch des Schwarzwaldhotels in Herrenalb ab, da eine Abteilung des Reichsarbeitsdienstes häufig judenfeindliche Lieder vor dem Hotel sang, das vorwiegend von Juden besucht wurde. Nachts kamen häufig Nationalsozialisten in das Hotel und trieben Gäste aus ihren Betten unter dem Vorwand, sie zu kontrollieren. Eine andere Methode war, mit Scheinwerfern in die Zimmer zu leuchten und die Hotelgäste aufzuschrecken oder stinkende Flüssigkeiten zu verspritzen, die den Gästen den Aufenthalt unmöglich machten." (Stängle, Wir waren froh, als es vorbei war, S. 43)

Eugenies Mann starb am 6. Januar 1935. Im Frühjahr desselben Jahres wurde sie von der NSDAP-Kreisleitung aufgefordert, ihr Hotel als "jüdisches Geschäft" zu kennzeichnen. Das Schild wurde jedoch kurze Zeit später abgerissen. Nachdem es wieder angebracht war, wurde ein Angestellter der NSDAP-Kreisleitung bei einem weiteren Versuch, das Schild abzureißen, gestellt. Dieser stritt die Tat jedoch ab und gab bei einer Vernehmung zu Protokoll: "Bekämpfe die Juden, wo es auch immer geht".

Am 1. April 1935 zog Eugenie zur ihrer vier Jahre älteren Schwester Auguste Köhler. Fünf Monate später wurden die Veranda und die darauf stehenden Möbelstücke des Schwarzwaldhotels beschmiert. Es standen Sätze dort wie "Juda verrecke" oder "Alte Weille auf nach Palästina". Eugenie lies diese Schmierereien sofort entfernen, um eine negative Wirkung in der Öffentlichkeit zu verhindern: "Das mach ich im Interesse für Deutschland und nicht zuletzt für Herrenalb, damit der gute Ruf des Kurorts auch fernerhin gewahrt bleibt."

Eugenies Sohn Hans Isidor zog am Ende 1936 zu seiner Mutter. Jedoch hielt es ihn nicht lange dort. Nach eineinhalb Monaten wanderte er nach Südafrika aus. Dort wurde er jedoch ausgewiesen, da er die englische Sprache nicht genügend beherrschte. Daraufhin begab er sich nach England, um Englisch zu lernen und später in die USA auswandern zu können.

Der Gemeinderat wies Eugenies Antrag auf Erlassung der Gebäudeentschädigungssteuer zweimal ab. Im September 1937 stellte sie den Betrieb des Schwarzwaldhotels ein. Die Gemeinde veranlasste und förderte den Verkauf des Hotels. Von Vornherein wurde dem Käufer 500 RM von der Steuerschuld erlassen. Am 2. April 1938 musste Eugenie das Schwarzwaldhotel an den Hotelier Karl Karcher verkaufen. Dieser warb im Herrenalber Badeblatt mit dem Satz "Jeder deutsche Volksgenosse kann jetzt wieder das Schwarzwaldhotel besuchen".

Mitte Mai 1938 zog Eugenies Tochter Gertud zu ihr und den Köhlers. Knapp ein Jahr später wanderte auch Gertrud über London in die USA aus.

Nach der Reichspogromnacht mussten Juden im Deutschen Reich eine "Sühneleistung" erbringen. Eugenie Weill musste 2750 RM bezahlen.

Zusammen mit den Köhlers wurde Eugenie am 22. Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs deportiert. 1942 hatte sie das Glück, von dort aus zu ihrer Tochter Gertrud nach New York ausreisen zu dürfen. Dort verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Strickerin und Babysitterin.

Am 17. April 1970 verstarb Eugenie Weill in den USA.

Quellen/Literatur:

StABAD A23/45; StABAD A23/37; StABAD A23/13; StABAD A5/Meldekarte; StAF P 303/4 Nr. 1136; StAF F 196/1 Nr. 5427; StadtA-Gaggenau Hö B45; KrACW A8 Bü 191 II-1; KrACW A8 Bü 191 II-2; KrACW A8 Bü 191 II-3; HStAS 99/001
http://www.alemannia-judaica.de/bad_herrenalb_juedgeschichte.htm (Zugriff 08.05.2020)
Stängle, Gabriel u. a.: Wir waren froh, als es vorbei war. Die Ausgrenzung und Verfolgung von Juden im Kreis Calw zwischen 1933-1945, Horb 2017.

Hier wohnte
EUGENIE WEIL GEB. STERN
JG. 1880,
DEPORTIERT 1940 Gurs
FLUCHT 1942 USA



Stolperstein Sonnenplatz 1, verlegt am 04.03.2020